Freitag, 26. Juni 2009

Danzig.....wie lange noch? .... die Antwort weiss nur der Wind


Sonntag, 14.Juni 2009
Kolberg. Gut geschlafen. Die Sonne scheint. Der Wind hat etwas nachgelassen, bläst aber immer noch mit Stärke 5 und in Böen mehr. Ein paar Mutige fahren los: Wir beschliessen noch bis Morgen zu warten. Ein weiser Entscheid, wie wir später hören werden.
Monika macht Waschtag. Ein arbeitsaufwendiges Verfahren: Wasser kochen, einweichen, waschen, spülen.... Alfred wandert unterdessen in den Supermarkt (Lidl) zum Einkaufen.
Strandspaziergang. Kinder bauen Sandburgen, Omas suchen Bernsteine,..... Strandferien an der Ostsee.


Montag, 15. Juni 2009
Kolberg. Frühstart. Kurz nach 6 Uhr heisst es Leinen los. Heute ist die letzte Gelegenheit durch das militärische Sperrgebiet zu fahren. Sonst müssen wir eine Woche warten, oder viele zusätzliche Meilen aussen um das Sperrgebiet herum fahren.
Wir setzen noch im Hafen die Segel. Zum Glück, denn draussen schaukelt es gewaltig – 2.5 m Welle. Wir haben achterlichen Wind und stellen laufend neue Geschwindigkeitsrekorde auf (> 7 Knoten). Vor dem Wind mit Welle, heisst aber auch „Kotzkurs“. Zuerst ist Dixi an der Reihe. Sie weiss aber was sich gehört und frisst’s gleich wieder auf und legt sich wieder in ihre Hundekoje. Leider ist das nicht alles. Dixi, jammert und jault .... sie muss mal! .... Das Cockpit ist vollgeschissen .... Dixi hat Durchfall. Alfred putzt so gut’s geht mit Schwamm und Küchenpapier ... Das würde jetzt eigentlich reichen, aber es soll noch schlimmer kommen. Ungefähr 2 Stunden vor dem Ziel, geht die Pinne aus dem Leim. Monika repariert sie notdürftig mit Klebeband („Klauenband“) und ist hinterher, vor lauter Aufregung, auch seekrank. Dann kommt Dixi wieder an die Reihe.... etc.
So erreichen wir nach 56 sm und 9 Stunden unser Ziel Ustka.Wir liegen an der Stadtpier. Ohne Strom und Wasser und WC hat es auch keines, dafür ist alles umsonst.
Erste Priorität: Pinne reparieren: Alfred geht Leim kaufen, 2 Bauarbeiter, die an einem Haus gegenüber ein Gerüst montieren, helfen kleben, Peter vom Nachbarschiff bringt seine Akkubohrmaschine und grosse Holzschrauben.
Dann heisst es Schiff putzen. Die Bilge war noch nie so sauber - Dank Dixi!


Dienstag, 16 Juni 2009
Ustka. Gut geschlafen. Klabauterhund hat von der Tierärztin Baytril verordnet bekommen. Klabauterfrau selbst schluckt heute prophylaktisch Stugeron. Dann geht’s weiter mit achterlichem Wind nach Leba. Heute wesentlich ruhiger mit weniger Welle. So bleiben auch alle gesund.
Leba hat einen schönen modernen Yachthafen, ruhig in einem Kiefernwald gelegen.
Wir mieten Velos und fahren ca 10 km zu den grossen Wanderdünen. Toller Anblick. Sand , Sand, Sand, feiner Sand für Sanduhren, .....wie in der Sahara ..... 40 m hoch, 500 ha gross.
Wir essen feine polnische Spezialitäten im Restaurant des Yachthafens: Für Monika gibt’s Pierogi (Teigtaschen), Alfred isst eine Saure Mehlsuppe im Brotteig, Schweineschmalz & Brot à dicretion, und Rindfleischroulade mit Kartoffelpuffer.


Mittwoch, 17 Juni 2009
Leba. Zu viel Wind. Wir bleiben einen weiteren Tag in Leba, mieten wieder Velos und fahren nach Osten zum Leuchtturm von Stilo. Wunderschöne Veloroute, durch Kiefernwälder an einem See entlang .... und die Krönung des Ganzen, es gibt tatsächlich ganz in der Nähe des Leuchtturms beim Campingplatz ein Gartenrestaurant mit Bier („piwo“) und feinen Sachen für hungrige Velofahrer: Kuttelnsuppe für Alfred und Kartoffelpuffer für Monika.


Donnerstag, 18 Juni
Leba. Wieder Frühstart. Das heisst um 5 Uhr aufstehen, schnelles Frühstück, Schiff parat machen – um ½ 7 Uhr legen wir ab. Beim Auslaufen erfahren wir von unsern Nachbarn, dass der Wetterbericht Südost 5-6 Bft und Starkwindwarnung hat. Noch kommt der Wind aber aus Süd, so wie von den Online-Wetterberichten vorherhergesagt.
Mit halbem Wind und ohne Wellen kommen wir zügig voran, 6-7 Knoten. Kaum haben wir das Kap Rozewie gerundet, lässt der Wind nach und kommt von vorne aus SO. Das Barometer ist seit heute Morgen auch kräftig gefallen. Wir wollen das Schicksal nicht unnötig herausfordern und ändern unser Tagesziel. Statt Hel laufen wir Wladyslawowo an.
Wladyslawowo (Grossendorf) ist der grösste Fischereihafen Polens. Wir finden, der Hafen ist schöner als sein Ruf. In der Abendsonne geben die bunten Fischerboote ein malerisches Bild.


Freitag, 19 Juni
Wladyslawowo. Unser nächstes Ziel ist Hel. Rasmus belohnt unsern Frühstart mit einer leichten Brise. Dann schläft der Wind ein und als wir in Hel eintreffen fängt es an zu regnen. Später am Abend klart es es wieder auf. Wir besteigen den Leuchtturm und bei schönstem Sonneschein machen wir einen langen Spaziergang dem Strand entlang.
Eigentlich haben wir ja geplant von Danzig nach Kaliningrad (Königsberg) zu segeln. Das sind je nach Route nur ca. 60 sm. „Wollt ihr euch das wirklich antun“? fragen alle, die Kaliningrad aus eigener Erfahrung oder vom Hörensagen kennen. „Plattenbautenromantik, postkommunistische Tristesse, sozialistische Bürokratie kombiniert mit Sprachproblemen, etc.“. Auf der andern Seite der Waagschale liegen der Reiz des Abenteuers, der „Terra incognita“ ... und 300 Euro für die Visa haben wir auch schon investiert. Nach einigem hin und her, entscheiden wir uns direkt nach Klaipeda in Litauen zu segeln.
Nach eingehendem Studium aller Wetterberichte - Morgen noch Westwind, später abflauend und dann die ganze nächste Woche Nordost – beschliessen wir auch Danzig fallen zu lassen und morgen die 102 sm nach Klaipeda zu segeln.


Samstag, 20 Juni
Hel. Zuerst müssen wir unsere Benzinvorräte auffüllen, schliesslich sieht’s ja ganz nach Flaute aus.Hel hat keine Tankststelle, die nächste ist im Nachbarort, 10 km entfernt .... aber zur Zeit geschlossen. Die nächste Tankstelle ist in Wladyslawowo, ca. 30km entfernt. Der Nachtwächter bestellt uns ein Taxi. Als er Alfred dann mit seinem kleinen 5 Liter Kanister sieht , langt er sich an den Kopf „ 120 Zloty (30 Euro) for taxi for this?“ und organisiert einen 30 Liter Plastikkanister (gratis!). Alfred fährt also mit dem Taxi nach Wladyslawowo und kauft 30 Liter Benzin und noch 3 richtige Benzinkanister (à 5Liter). Wieder zurück wird das Benzin aus dem grossen Kanister, der nicht ganz dicht ist, in die kleinen Kanister gefüllt und, mit nachbarschaftlicher Hilfe, wird der grosse Kanister dicht gemacht... Alle sind rührend besorgt um „die Schweizer mit ihrer Nussschale“ Am Horizont ziehen schwarze Wolken auf. „Sieht nach Gewitter aus“ meinen die besorgten Segelnachbarn.
Um 11 Uhr legen wir ab. Kaum sind wir aus dem Hafen draussen, lässt der Wind nach. Mit 2-3 Knoten Fahrt kommen wir vielleicht an Weihnachten nach Klaipeda. Wir nehmen den Motor zu Hilfe. Dann schläft der Wind ganz ein ... und kommt, nach einer Bedenkpause, schliesslich von Nordost, dort wo wir hin wollen. Nach 5 sm kehren wir um und tuckern zurück nach Hel.


Sonntag, 21 Juni
Hel. Heute soll der Wind nach Nordost drehen, dann zunehmen und die ganze Woche so bleiben. Also gehen wir halt doch nach Danzig.
Kurze Aufregung vor der Abfahrt: Dixi ist verschwunden. Sie ist jetzt in der heissen Phase und flirtet mit jedem Hundemann. Wir ahnen schon Schlimmes, finden sie dann aber in der Hafenbeiz, wo sie unter Tischen und Bänken nach Essbarem sucht.
Mit einer leichten achterlichen Brise aus NO segeln wir Richtung Danzig. Ab und zu herrscht Aufregung, wenn mal wieder eine Fähre am Horizont in Sicht kommt und Monika findet, dass sie direkt auf uns zu kommt.
Wir erreichen aber sicher die Hafeneinfahrt, passieren das Denkmal der auf Westerplatte, wo man üblicherweise die Flagge dippt und tuckern dann weitere 6 sm die Marta Wisla (Tote Weichsel) hinauf.
Wir liegen in der Marina Gdansk an der Mottlau, direkt vor dem Krantor. In die prächtig restaurierte Altstadt sind es nur wenige hundert Meter.


Montag, 22 Juni bis.......?
Danzig. Warten auf Wind aus der richtigen Richtung. Danzig ist ein guter Platz zum Abwarten. Wir bummeln durch die schöne Altstadt, die nach dem Krieg nahezu vollständig zerstört war und dann nach alten Stichen, Fotografien und Plänen wieder aufgebaut wurde.
Gleich neben dem Yachhafen liegt die Philharmonie. Wir gönnen uns einen Konzertbesuch - 15 zloty, ca 5 Franken pro Person mit Seniorenrabatt!! und geniessen Pirogi und andere Leckereien in den Restaurants an der Altstadt. Das Wetter, mal strahlend schön, mal Regen, und der Wind, mal viel, mal weniger, aber konstant aus Nordost! Laut Wetterbericht soll das auch nächste Woche noch so bleiben.
Alfred macht einen weiteren Versuch mit seiner EC Karte, muss aber feststellen, dass das Problem wohl nicht bei den polnischen Bankomaten sondern bei seiner Karte liegt. Zum Glück hat Monika ihre Visa Karte dabei und nachdem auch noch der Pin zu hause gefunden ist, können wir wieder Geld beziehen.
Wie lange werden wir noch in Danzig bleiben? Die Antwort weiss nur der Wind.