Freitag, 10. Juli 2009

Die Hilde segelt wieder.....

Montag, 29 Juni
Wir kennen Danzig inzwischen in-und auswendig und auch aus der Vogelperspektive, nach 440 Stufen, vom Turm der Marienkirche. Monika erkundet auf ihren Dixi-Spaziergängen auch die weniger touristischen Hinterhöfe der Stadt... Gestern sind wir mit dem Bus zum Dom von Oliwa gefahren: Messe und Orgelkonzert auf der gewaltigen Orgel mit beweglichen Engeln, gebaut von Johann Wulf.
Alfred hat jeden Tag die Wetterberichte im Internet studiert und entdeckt jetzt einen Hoffnungsschimmer am Horizont: Mitte Woche soll der Wind drehen auf NW. So wird unsere Geduld vielleicht doch noch belohnt... Unsere Nachbarn haben am Samstag schon aufgegeben und sind mit Kurs Bornholm wieder zurück.
Strahlend schönes Sommerwetter. Wir segeln heute zurück nach Hel (Ausprache: hell „... go to hell..“), 20 sm näher bei Klaipeda.
Inzwischen haben in Polen die Ferien begonnen. In Hel ist Hochbetrieb. Ein deutsches Segelehepaar spricht uns an. Es hat sich herumgesprochen, dass da zwei Oldies mit Hund und einem kleinen Holzboot nach Kaliningrad wollen. Wir geben ihnen unsere gesammelten Infos inklusive die Skizze mit der Ansteuerung zum Yachthafen und wünschen eine gute Reise.


Dienstag, 30. Juni
Der Tag fängt gut an. Pitschi ruft an und hat gute Nachrichten: sie hat die Prüfungen bestanden. Wir freuen uns mit ihr.
Weiterhin strahlend schönes Wetter. Der erste warme Sommertag... T-Shirt Wetter. Wir mieten Velos und radeln durch Kiefern- und Birkenwälder in die nächste Ortschaft. Boxenstop an einer Tankstelle (heute geöffnet!), um zu fragen, ob unser Hund etwas Wasser zum trinken bekommen könnte. Selbstverständlich. Die Polen sind nicht nur sehr hilfsbereit sondern wohl auch grosse Hundefreunde. Schon öfters hat im Restaurant der Kellner, ungefragt, für Dixi eine Schale Wasser gebracht.
Am Strand sind Hunde verständlicherweise nicht erwünscht. Dafür gibt es einen separaten Hundestrand .... Wir baden... Wassertemperatur: ca. 18 °? Dixi holt unzählige Male ihren Holzstecken aus dem Wasser, wälzt sich genüsslich im Sand ....
Auf der Suche nach einem „Piwo“ kommen wir nach Jastarna und landen, dank Serendipity und Tipp von einem einheimischen Surfer im RËBÔK, in einer Fischbeiz. Da gibt es alle Sorten Fisch geräuchert, gebraten, gegrillt, mariniert, eingelegt ...... mmmmhh Fein- so ganz nach Alfred’s Geschmack
Auf dem Rückweg entdeckt Alfred, mit geübtem Wälderblick, Heidelbeeren am Wegrand. Wir füllen eine Plastikflasche und auch Dixi kommt auf den Geschmack und raffelt gekonnt die Beeren von den Sträuchern.


Mittwoch, 1. Juli
Morgendliches Bad im Meer. Frühstück mit Joghurt und Heidelbeeren. Ein Regenschauer, dann wieder Sonne. Wir fahren mit dem Velo an den Strand.
Alfred vergleicht noch mal alle Wetter-und Windberichte. Alle sagen für Morgen NW ca. 3-4Bft. Na da kann’s ja losgehen: Auf nach Klaipeda.
Die letzten Zloty werden aufgebraucht, Brot, Kaffeerahm, Wurst, Schinken, Käse ....und .aus Versehen, auch noch Bier mit Himbeergeschmack.


Donnerstag, 2. Juli
Wir stehen um 5 Uhr auf. Es ist diesig... „Mit Nebelfeldern ist zu jeder Jahreszeit zu rechnen“, hat Alfred gestern Abend noch im Törnführer gelesen.
Um 6.30 Uhr legen wir ab. Kurs 48°. Der Wind wacht auf und wir machen gute Fahrt 5-6 Knoten zeigt das Log.....tuuuuuT...töööööT, tönt ein Nebelhorn, dann taucht, aus den Nebelschwaden eine Fähre auf – zum Glück in sicherem Abstand.
In Gdynia ist ein Windjammertreffen. Wir zählen mindestens 6 Dreimaster auf dem Weg dorthin.
Zuerst sieht es so aus, als ob sich der Nebel auflöst und die Sonne durchkommt. Doch nach ca. 2 Stunden nimmt der Nebel wieder zu, gerade als wir das Verkehrstrennungsgebiet queren müssen. Schöne Sch....! Alfred bläst kräftig ins Nebelhorn und wir hören, und starren in die dicke Suppe und hoffen, dass nicht plötzlich ein Dickschiff auftaucht.
Als dann das GPS meldet, dass wir durch sind, wird auch die Sicht wieder besser und es geht nicht lange und der Nebel löst sich auf und die Sonne kommt durch . Blauer Himmel, Sonne, Wind 3-4Bft. Wir sausen mit mehr als 6 Knoten unserm Ziel entgegen.
Am späten Nachmittag sehen wir wieder Land. Kap Taran, die russische Enklave Kaliningrad.
Die Wellen nehmen zu, wir machen weniger Fahrt.
Um 9.30 Uhr taucht die Sonne, wie eine glühend rote Kugel spektakulär ins Meer. Um 11.30 Uhr ist es dunkel. Möne sucht besorgt den Horizont nach möglichen Gefahren ab....sieht „Gespenster“ und verzieht sich dann zu Dixi nach unten. Alfred steuert, und ab und zu, wenn er einnickt, macht er eine unfreiwillige Wende. Der Mond geht auf und taucht wieder unter. Sternenklare Nacht, eigentlich richtig romantisch, wenn man nur nicht so müde wäre und der Hintern nicht weh tun würde.
Um 1 Uhr morgens fängt es schon wieder an heller zu werden. Fast nahtloser Übergang von Abenddämmerung zum Morgengrauen. Um 3 Uhr ist es hell.
Der Wind lässt nach, wir machen nur noch 3-4 Knoten. Bis zum Ziel sind es noch 30 Meilen. Wir nehmen den Flautenschieber zur Hilfe, sonst kommen wir nie an.
Um 11.30 Uhr ist’s es geschafft. Wir machen im Kastellhafen von Klaipeda fest. Es ist heiss. Wir fühlen uns wie nach einer Ozeanüberquerung - hundemüde, aber erleichtert – wir haben’s geschafft. 127 Meilen, in 29 Stunden!
Der Hafen wird gerade umgebaut, frisch ausgebaggert. Wir finden ein Plätzchen in der hintersten Ecke, gerade gegenüber vom Stadtzentrum dafür aber einen halben Kilometer entfernt von den Sanitäranlagen. Letztere sind modern & picobello.
„Die Litauer sind die Italiener des Baltikums“, haben wir gelesen. Der erste Eindruck: Stimmt! Immer wieder grüsst einer von der Hafenmauer und fängt ein Schwätzchen an. Wir bummeln durch die Altstadt, tanken Geld am Bankomaten, löschen unsern Durst mit einem Bierchen .....und Dixi? Auf demTheaterplatz mit dem „Ännchen von Tharau“ auf dem Simon-Dach-Brunnen, schafft es Dixi nicht über den Brunnenrand....sofort kommt eine Frau von einem Andenkenstand gesprungen und schöpft Wasser mit einer grossen Wasserflasche eine andere bringt eine Plastikschale, damit der arme Hund trinken kann. Die Litauer scheinen den Polen in Sachen Hundeliebe nicht hintanstehen zu wollen.
Nach einem frühen Nachtessen auf der Terasse des Hafenrestaurants spielen wir noch eine Partie Backgammon. Alfred gewinnt, aber zwischen den Zügen nickt er immer wieder ein. Zeit für’s Bett.


Samstag, 3. Juli
Nach einem gemütlichen Z’Morge in der warmen Sonne, brechen wir auf nach Nida. Wir haben Gestern noch eine detaillierte Seekarte im Tourismusbüro gekauft und Alfred hat alle Wegepunkte für den kritischen nördlichen Teil des Fahrwassers ins GPS eingegeben. Wir tuckern mit Motor und Fock. Das heisst der Motor „verschluckt“ sich mal wieder... Plastikventil...Zündkerze putzen... nochmal Zündkerze... Alfred schwitzt und flucht und Monika philosophiert und kommentiert, was wohl dieses Mal die Ursache sein könnte.... Dann tuckert der Motor wieder... als ob nichts gewesen wäre.
Ein Kurenkahn, als Ausflugsboot umgebaut, überholt uns. Ein lustiges Völkchen ist an Bord: - Gesang, Tanz, Polonaise .... In Juodkrante (Schwarzort) machen wir einen Boxenstop. Wir legen an der Stadtpier vor dem Ausflugsschiff an. Sofort sind hilfreiche Hände bereit, um die Hilde festzumachen und der Beatzung auf die Mole zu helfen. Nach einem Bier und einem kleinen Imbiss aus der nationalen Cuisine (Hering mit Kartoffeln für Alfred und einer Art Kartoffelpuffer mit Sour Creme Sauce & Bacon Bits für Monika) fahren wir weiter Richtung Nida. Nachdem der kritische Teil des Fahrwassers gemeistert ist, setzen wir das Gross. Der Wind nimmt zu und mit 5 Knoten sausen wir dem Ziel entgegen. Zum Schluss kommt dann noch die Sonne hinter den Wolken hervor ... Nida mit seinen roten Ziegeldächern kommt in Sicht und die grosse Sanddüne leuchtet golden am Horizont.
Im Hafen ist Hochbetrieb. Kinder kurven mit Elektroautos auf der Hafenmohle ....alle geniessen das erste Sommerwochenende des Jahres.


Sonntag, 4. Juli
Schönstes Sommerwetter. Wir mieten Velos. Die Pullover lassen wir zu Hause. Zuerst geht’s über den Hügel an die andere Seite, an den Ostseestrand. Auch hier ist Hochbetrieb. Nach einem erfrischenden Bad radeln wir zurück ans Haffufer und dann weiter auf einem gut ausgebauten Veloweg (ca. 8 km) entlang der Uferpromenade, vorbei an rot und blau gestrichenen Fischerhäusern, mit pittoresken Giebeln und liebevoll gepflegten Gärten und dann durch einen Kiefernwald nach Preila. Dort machen wir Halt trinken ein Bier und verschmausen ein Brasse,.....mmmmmhhh-FEIN - frisch aus der Räucherkammer. So gestärkt geht’s zurück nach Nida und dann noch auf die grosse Düne im Süden des Ortes.
Zum krönenden Abschluss des Tages gibt’s ein feines Nachtessen im Restaurant „Eserine“.


Montag, 5. Juli
Nieselregen. Der Sommer macht wieder Pause. Dafür kommt der Wind aus Südwest, ideal um nach Klaipeda zurückzusegeln.
Dieses Mal machen wir auf der Nehrungsseite in Klaipeda-Smiltyne, gegenüber vom Kastellhafen, fest. Der Yachthafen hat noch etwas vom sozialistischen Charme vor der Wende, mit einfachen aber sauberen Sanitäranlagen in einem Hotel, wohl eine Art Jugendherberge. Nach einer Dusche, studieren wir bei einem Bier auf der Terasse des Restaurants die Wind-und Wetterberichte im Internet. Süd-Südwest ist angesagt, aus der richtigen Richtung ...aber schwach – aber vielleicht reicht’s? Wir wollen Morgen weiter nach Liepaja, in Lettland.
Wir nehmen die Fähre nach Klaipeda, kaufen Verpflegung für Morgen und gehen dann ins „Gili Kaimas“, vom Lonely Planet empfohlen, neben dem guten Essen...“for its atmospheric setting in a great Soviet-era cinema. Ein Hunde-Verboten Schildn der Tür lässt uns kurz zögern...eine anständige Schweizerin macht nichts Verbotenes.. ... aber dann laufen wir einfach ein und durch in eine ruhige Ecke und bevor einer was merkt, wird Dixi unter Bank und Tisch versteckt. Es hat sich gelohnt. Wir nutzen die letzte Gelegenheit die Litauische Küche kennenzulernen.
Wir haben erst heute Abend, als wir in der Stadt an einer Uhr vorbeikommen, gemerkt, dass die Uhren in Litauen eine Stunde voraus sind. Zum Glück, denn so erwischen wir um 11 Uhr noch die letzte Fähre zurück.


Dienstag, 6. Juli
Um 7.30 Uhr heisst es Leinen los. Die Sonne kommt durch, der Sommer meldet sich zurück. Leider ist Rasmus heute etwas schwach auf der Brust. Statt 3 Windstärken, wohl eher 1-2. Dafür hat es noch reichlich Welle von achtern. Das Segel knallt immer beängstigend ... wir müssen immer wieder den Flautenschieber zu Hilfe nehmen.
Nach 15 Stunden für 62 sm machen wir um ½ 10 Uhr in im Yachthafen im Hafenkanal in Liepaja fest. Der Hafen bietet einen ausgezeichneten Service: moderne Sanitäranlagen (warm Duschen, so lang, wiedas Herz begehrt), neue Waschmaschine, Trockner, Internetzugang,....
Als wir dann noch ein Restaurant finden, wo wir trotz später Stunde noch etwas zum Essen bekommen, ist unser erster Eindruck von Lettland SEHR GUT!
Für Morgen ist erst Flaute und für den Abend und die Nacht Regen und Sturm angesagt. Wir finden Liepaja ist kein schlechter Ort zum Abwettern. Schon erstaunlich, wie man Selbstverständlichkeiten wie saubere, grosszügige Sanitäranlagen und eine funktionierende Waschmaschine wieder schätzt und geniesst und , wie derTagesablauf vom Wind und der Wetterlage bestimmt werden.


Mittwoch, 7. Juli
Regenwetter. Alfred macht sich an die Aktualisierung des Blogs. Monika lädt die Waschmaschine und wandert zwischendurch mit Dixi zum Strand.


Donnerstag, 9. Juli 2009
Die ganze Nacht regnet es. Wir liegen geschützt und merken nicht viel vom Sturm.
Schönes Wetter. Wir machen einen Spaziergang durch die Stadt. „Liepaja Wie Nach Noten“. Den Weg markieren Noten im Strassenpflaster. Warum Noten? Liepaja nennt sich die lettische Hauptstadt der Musik, besonders der Rockmusik.
Wir sehen schöne alte Holzhäuser, teilweise renoviert und mit modernen Gebäuden harmonisch ergänzt. Andere sind am Verfallen... wahrscheinlich fehlt es an Geld. Vom Turm der Dreifaltigkeitskathedrale geniessen wir einen herrlichen Rundblick auf Stadt und Meer.
Am besten gefällt uns aber der Markt. Früchte, Gewürze, Kräuter, Blumen, dicke Tomaten, Kirschen,...alles was das Herz begehrt. Wir kaufen Heidelbeeren und Walderdbeeren .... fürs Frühstück mit Joghurt!
Abendessen im berühmetn Rock Cafe. Heute leider kein Live Concert.