Eingeweht in Kolberg......
Montag, 9. Juni 2009
Gleich nach dem Frühstück macht sich Alfred auf zur Bank, um die Bancomatkarte wieder zurückzubekommen. Die Bank hat keinen Schlüssel. Um 4 Uhr nachmittags kommt der ATM Service, dann kann er die Karte wieder zurück erhalten, inshallah. Alfred gibt nicht locker, versucht es, mal laut mal leise:... „noch nie so was erlebt... wo gibt’s denn sowas? einfach die Karte einziehen...“ ditto der Bankmanager: „ ....hat er auch noch nie erlebt.... wohl die falschen Tasten gedrückt??!!!“ „....NEIN, überhaupt nichts gedrückt.....“ - .“gerade deshalb...“. Schliesslich, lässt der Manager sich doch dazu erweichen, einen Schlüssel zu suchen: Duzendweise holt er Schlüssel aus seinen Schreibtischschubladen..... - genauso wie zu hause, wenn ein Schlüssel für’s Veloschloss gesucht wird – alle werden probiert.... ab und zu geht der Alarm los..... aber alles „Sesam-öffne-dich“ bleibt vergeblich. Heute Nachmittag um 4 Uhr!
Das heisst, wir müssen die Abreise wohl oder übel verschieben. Später erfahren wir, dass es viel mehr Wind gehabt hat, als vorhergesagt - so hat alles Übel auch wieder was Gutes.
Wir gehen Einkaufen und ergänzen unsere Vorräte. Alfred geht zum Friseur (20 Zloty ca. 7 Franken). Um ½ 5Uhr hat er die Bancomatkarte zurück. Bei der Bank nebenan, erfährt er, dass er offensichtlich nicht der Erste ist...ausländische Karten werden häufig von polnischen Automaten geschluckt.
Dienstag, 10. Juni 2009
Es gibt 3 Arten von Wind: zu viel, zu wenig oder aus der falschen Richtung. Wir glauben der Vorhersage die im Büro des Hafenmeisters aushängt„ 5- 6 Bft, und mehr in Schauer- und Gewitterböen “ und beschliessen einen weiteren Tag zu warten.
Sonne und strahlend blauer Himmel. Wir mieten Velos und fahren auf dem Radwanderweg „Grüne Oder“, mit der Fähre zur Nachbarinsel Wollin, zum höchsten Leuchtturm der Ostsee, durch ein Naturschutzgebiet zum Dorf Pryztor und via einer anderen Fähre wieder zurück auf die Insel Usedom. Dunkle Wolken am Horizont, Donnergrollen... „Swinemünde 7km“ sagt ein Schild. Ob’s wohl reicht? Knapp vor dem Ziel, erwischt es uns .... Mitten im Wald. Wir suchen unter den Bäumen Schutz. Aber bald tropft’s durch das lichte Dach der Kiefern. Sieht so aus, als wolle es noch lange regnen. Sobald das Schlimmste vorüber ist fahren wir wieder los. Den nächsten Schauer wettern wir an einem Erdbeerverkaufsstand ab. 1 Kg Erbeeren - kosten 4 Zloty (1 Euro) – wir futtern Erdbeeren und warten, dass der Regen nachlässt. Das passiert dann aber erst, als wir tropfnass wieder im Yachthafen zurück sind.
Nach einem wärmenden Wodka und Irish Coffee gibt’s Pasta und das letzte Bärlauchpesto.
Mittwoch, 11 Juni 2009
Um 9 Uhr heissts „Leinen los“. Endlich! Habe statt der 10 Euro Kaution für die Schlüssel nur 20 zloty zurückbekommen. Na ja, die 5 Euro sind wohl für das Katzenfutter, das Dixi der Katze vor dem Marinabüro immer weggefressen hat. Wir segeln mit achterlichem Wind, mit 5 Knoten, Kurs Dzinow. Sonne. Blauer Himmel und eine frische Brise um 4 aus Süd –Südwest. Segeln vom Feinsten! Nach 21 sm machen wir um 13.45 Uhr im Yachthafen an der Dziwna fest. Der kleine Yachthafen ist idyllisch und ruhig gelegen; alles Wichtige ist vorhanden, Strom, Wasser und eine Beiz, mit 2 Sorten piwo vom Fass.
Endlich mal wieder ein Tag ohne Abenteuer. Sogar die Einfahrt, vor der uns eine deutsche Segelfrau vor der Abfahrt noch gewarnt hat, haben wir, dank GPS-Navigation immer in der Fahrrinne, ohne Problem geschafft.
Wir machen einen Spaziergang und Einkaufsbummel ins Dorf und an den Strand, wo wir ein schnelles Bad nehmen.. Nachtessen in der kleinen Beiz im Yachhafen: Flunder und Dorsch mit Pommes & Salat.
Donnerstag, 11.6.2009
Um 8.30 Uhr heisst es Leinen los. Ziel ist Kolberg, 36 sm östlich der nächste Hafen. Schönes Wetter. Wind aus SO/S, so wie es http://www.windfinder.com/ vorhergesagt hat. Einen anderen Wetterbericht haben wir nicht, zum Glück.....
Mit halbem Wind sausen wir mit 5-6 Knoten, ab und zu > 7 Knoten, unserm Ziel entgegen. Nach 7 Stunden machen wir im Yachthafen in Kolberg fest. Wieder ein Tag ohne Abenteuer... das heisst nicht ganz: bei der Einfahrt im Hafenkanal, mit der„Santa Maria“, einem traditionellgetakelten Ausflugsschiff, dicht an der „Stossstange“... geht das Benzin aus. Die Touristen haben etwas zu gucken... bis Alfred wieder Benzin aufgefüllt hat und der Motor wieder tuckert.
Wir machen neben einem deutschen Zweimaster fest. „Woher, wohin ... und wie war der Wind?“ Wir erfahren, dass der Deutsche Wetterdienst heute Ostwind, 5 bft vorhergesagt hat....manchmal ist es besser, keinen aktuellen Wetterbericht zu haben.
In der Morast Redoute kaufen wir feinen Räucherfisch und geniessen in der warmen Abendsonne ein feines Nachtessen – Gschwellti mit geräuchtertem Lachs, Forelle und Makrelen. Von unserm Nachbar erfahren wir, dass heute Nacht Sturm vorhergesagt ist...das Barometer sinkt im freiem Fall.
Freitag, 12.6.2009
Um 2 Uhr morgens legt es los. Der Wind bläst in die Persenning, dass uns Angst und Bange wird und die Hilde im Hafenbecken in Schräglage geht...Alfred klettert immer wieder mal raus und „züpfelt“ an den Tauen....an Schlaf ist bis 4 Uhr nicht zu denken.
Wir schlafen aus bis 9 Uhr. Nach einer warmen Dusche, brühend heiss in der Männerdusche, gibt’s ein spätes Frühstück. Beim Spaziergang am Morgen entdeckt Monika, dass Dixi läufig ist. Das hat uns gerade noch gefehlt.
Wir gehen in die Stadt, tauschen Geld, kaufen einen elektrischen Wasserkocher - um Brennspiritus zu sparen – und finden sogar wieder einen Ersatz für den verloren gegangenen Sparschäler.
Es stürmt und stürmt. Obwohl die Saison noch nicht begonnen hat, hat es schon viele Touristen....die Schultern eingezogen, Kopf vorüber gebeugt, Kapuzen über den Kopf gezogen, wandern sie durch die Strassen oder den Strand entlang um „Luft zu schnappen“. Die haben sich wohl das verlängerte Wochenende – am Donnerstag war Fronleichnam – auch anderst vorgestellt.
Im neuen Regionalen Kulturzentrum gibt’s kostenlosen Internetzugang. Wir studieren verschiedene Wettervorhersagen. Alle sagen das Gleiche: Der stürmische Westwind dauert an, auch Morgen Samstag ist Westwind, Stärke 6-7 Bft, vorhergesagt.
Das im Törnführer empfohlene Kantor Cafe ist leider ausgebucht. Wir finden aber eine gute Alternative. Gulaschsuppe und Schnippo für Monika und Saure Mehlsuppe und Schweinsbraten für Alfred.... das richtige Essen für dieses Wetter.
Samstag, 13. Juni 2009
Heute Nacht legt’s wieder richtig los. Es stürmt und regnet – waagrecht. Dixi ist nicht nur läufig sondern hat auch Magen-oder Darmverstimmung und muss immer wieder raus.....trotz Wetter bei dem man keinen Hund vor die Tür jagt!
Sauwetter. Wir bleiben so lange, wie möglich im warmen Schlafsack..... die heisse (heute nicht mehr brühend heiss) Dusche tut gut. Im Radio läuft Il Divo ... wir wettern ab. Lesen (Monika), Blog Schreiben, Wetterberichte Studieren (Alfred)..... Der Hafen hat einen Hot Spot mit freiem Internetzugang.
Heute Abend gehen wir ins empfohlene Kantor Cafe. Zur Vorspeise gibt’s gegrillte Auberginen mit Feta, als Hauptgericht Gänsebrust mit Moosbeeren (Monika) und Entenbrust mit Apfel-Curry Sauce. Mmmmmmhhh FEIN! Der kulinarische Höhepunkt unserer Reise!
Die grauen Wolken haben sich verzogen. Aber es bläst immer noch kräftig. Wir warten wohl besser noch einen Tag mehr, am Montag soll der Wind nachlassen.